Carrera Digital 124 Lola T70 Mk IIIB Coupe "No. 58"
Art.Nr. 23908
Zur neuen LOLA T70 als Rennbahnauto muß ich nicht viel schreiben, das Auto ist seit letzem Jahr auf dem Markt. Damit ist für die Fans des großen Maßstabs ein langgehgter Traum in Erfüllung gegangen.
Der Clubbericht für das Fahrzeug ist diesmal etwas länger als sonst. Ich habe schon längere Zeit Material für den Bericht gesammelt. Dabei kam diesmal einiges zusammen. Und da irgendwie alles davon recht interessant war, wäre es schade, davon nur einen Teil zu verwenden.
Also wird das ein Bericht sowohl über das grüne Auto als auch den Rennfahrer. Fangen wir an:
Vor mit steht die grüne LOLA von David Piper mit der Nummer 58, wie sie Mr. Piper im Jahr 1969 eingesetzt hat. Das Wagen hat die Chassis-Nummer SL76/150, bei der Bezeichnung werde ich auch für den Rest des Berichts bleiben.
SL76/150 war eine von 16 Lola T70 GTs, die nach Mk3B-Spezifikation gebaut wurden. Erstkäufer war David Piper, einer der bekanntesten Sportwagen-Privatfahrer der 1960er und frühen 1970er Jahre. Seine Karriere begann 1954, damals fuhr er hauptsächlich Bergrennen mit Lotus-Monopostos, wechselte (mäßig erfolgreich) in die Formel 2, 1959 und 1960 startete er bei 2 Formel-1-Rennen in Silverstone.
Ab 1962 fuhr David Piper nur noch Sportwagenrennen.
Mitte der Saison 62 kaufte Piper einen Ferrari 250 GTO. Auf den GTO folgten ein 250 LM und ein 365 P2 (den kennen wir ja als CARRERA-Modell in 132, ArtNr. 30775). Der 365 P2 war die Kundenversion des 330 P2. Ferrari-Bezeichnungen sind manchmal verwirrend. Der P2 wurde später auf P2/3-Trimm umgerüstet (in der Werkstatt von Piero Drogo, dem Erbauer des Breadvans, Chef und Gründer des Karosseriebauunternehmens Carrozzeria Sports Cars), später wurde der P2/3 dann effektiv zu einem 412 P umgebaut. Der 412 P war übrigens die Kundenversion des Ferrari 330 P4 (allerdings mit 40 PS weniger und dem alten, anfälligen 4-Gang-ZF-Griebe). Kommt noch jeder mit? Gut! Weiter gehts!
Pipers grünen 412 P / 330 P4 gab es auch von CARRERA (in 124, ArtNr. 20208)
Die hellgrüne Lola wurde als Pipers primärer Rennwagen für die Saison 1969 gekauft. Hellgrün deswegen, weil das David Pipers Lieblingsfarbe war. Das BP-Sponsoring erfolgte erst später. 1969 absolvierte er auch einige Events für die Werksteams von Ferrari und Porsche und fuhr zeitweise seinen 412 P und einen Porsche 908/02.
SL76/150 ersetzte den Ferrari 250 LM, den Piper für einen Großteil des Jahres 1968 eingesetzt hatte. Bei Nicht-FIA-Veranstaltungen in dieser Saison fuhr Piper oft seinen 412 P. Bei FIA-Rennen durfte der 412 P nicht mehr starten, da die FIA mit ihrem neuen Drei-Liter-Motorlimit für Gruppe-6-Prototypen den Ferrari mit seinem 4-Liter-V12 aus der Sportwagen-Weltmeisterschaft verbannt hatte.
Die Lola hatte keine derartigen Probleme: Als 1968 die Regeln den Hubraum der Prototypen auf drei Liter begrenzten, wurde den in mindestens 50 Exemplaren gebauten Sportwagen 5 Liter Hubraum eingeräumt, ab 1969 reichte eine Mindestanzahl von 25 gebauten Fahrzeugen, um der Homologation zu entsprechen. Die LOLA qualifizierte sich so für die Klasse-4-Sport, da seit Produktionsbeginn mehr als 50 T70 gebaut wurden. Insgesamt entstanden 88 Lola T70 in allen Versionen Mk1-3b.
Piper setzte die Lola in 1969 oft ein, holte sich einige Siege (u.a. bei den Montlhery Coupes de Vitesse) und ein halbes Dutzend Podiumsplätze.
Im Mai 1969 bot sich ihm die Chance, als Werksfahrer auf einem Porsche 917 am 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring mitzufahren. Zusammen mit dem 2. Piloten Frank Gardner wurde er 8ter. Gegen Ende des Jahres kaufte er sich seinen eigenen Porsche 917 (Chassis 010). Dieser 917 sollte die Lola ab 1970 ersetzen, so dass Piper in diesem Jahr häufig andere Fahrer für sein Rennteam einsetzte:
Chris Craft, Richard Attwood und Jean-Pierre Beltoise fuhren 1970 den SL76/150. Attwood holte einige Siege in Frankreich (in Montlhery und Dijon) und Beltoise gewann das letzte Rennen als Fahrer von David-Piper-Racing in Magny Cours.
In der zweiten Hälfte des Jahres 1970 wurde Piper von Solar Productions angeworben, um Autos für den kommenden Steve McQueen-Film Le Mans zu kaufen. Einige Dreharbeiten fanden beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1970 statt. Im November kehrte die Crew für weitere Action-Aufnahmen nach Le Mans zurück. Der SL76/150 war eines von vielen Autos, die in der legändären Produktion auftauchten.
Neben der Beschaffung von Autos für Solar Productions war Piper einer von mehreren Top-Fahrern, die für die Fahrszenen an Bord gebracht wurden. Leider wurde er dabei in einen schweren Unfall verwickelt:
Am Steuer eines Porsche 917 verlor Piper bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über sein Auto im schnellen Maison Blanche-Abschnitt der Rennstrecke nahe der Stelle, an der John Woolfe im Vorjahr ums Leben gekommen war. Der 917 wurde komplett zerstört. Zum Beinbruch kam leider noch eine Infektion dazu und David Piper mußte die Hälfte seines rechten Beines amputiert werden. Er fuhr zwar weiterhin Rennen, aber mit der Top-Karriere war es vorbei.
Nach den Dreharbeiten verkaufte Solar Productions den SL76/150 an den Pariser Privatieer Pierre-Henri Archambeaud. In den Jahren 1971 und 1972 setzte Archambeaud den T70 zusammen mit seinem Porsche 911 S ein. Er holte sich unzählige Top-3-Ergebnisse bei französischen Meisterschaften, darunter einige Siege auf seinem Heimkurs in Montlhery.
Die mittlerweile grün, orange und weiss gestreifte Lola wurde am Ende der Saison 1972 ausgemustert.
Abbildung
Anschließend ging der Wagen in die Hände von Franco Sbarro (dem berühmten italienischen! Autodesigner). Diese produzierte bereits seit 1970 aus bestehenden und zugekauften Komponenten strassenzugelassene T70-Klone mit Lederinterieur und anderen Rafinessen, von 11 Fahrzeugen ist die Rede.
Sbarro verkaufte SL76/150 schlußendlich dann wieder an David Piper. Der reichte den Wagen seinerseits an Brian Redman weiter (britischer Rennfahrer, mit 54 Gesamtsiegen bei nationalen und internationalen Rennen war er einer der erfolgreichsten Sportwagenpiloten der Motorsportgeschichte).
SL76/150 verbrachte später einige Zeit in einer schwedischen Sammlung, bevor sie nach Grossbritannien zurückkehrte.
Bereits seit den 80er-Jahren wird SL76/150 im historischen Rennsport eingesetzt. Heute ist der Wagen im Besitz des Briten Shaun Lynn, der ihn ebenfalls im historischen Motorsport einsetzt.
Und zum Abschluß noch ein nettes Detail zur grünen Lola:
Am 13.07.1969 fuhr Hans Herrmann bei einem Gastauftritt im PIPER-Team die grüne Lola zum Sieg beim Solituderennen Hockenheim (hier trug der Wagen die Startnummer 20). Link zu racingsportscars
CoMod Lotus
Art.Nr. 23908
Zur neuen LOLA T70 als Rennbahnauto muß ich nicht viel schreiben, das Auto ist seit letzem Jahr auf dem Markt. Damit ist für die Fans des großen Maßstabs ein langgehgter Traum in Erfüllung gegangen.
Der Clubbericht für das Fahrzeug ist diesmal etwas länger als sonst. Ich habe schon längere Zeit Material für den Bericht gesammelt. Dabei kam diesmal einiges zusammen. Und da irgendwie alles davon recht interessant war, wäre es schade, davon nur einen Teil zu verwenden.
Also wird das ein Bericht sowohl über das grüne Auto als auch den Rennfahrer. Fangen wir an:
Vor mit steht die grüne LOLA von David Piper mit der Nummer 58, wie sie Mr. Piper im Jahr 1969 eingesetzt hat. Das Wagen hat die Chassis-Nummer SL76/150, bei der Bezeichnung werde ich auch für den Rest des Berichts bleiben.
SL76/150 war eine von 16 Lola T70 GTs, die nach Mk3B-Spezifikation gebaut wurden. Erstkäufer war David Piper, einer der bekanntesten Sportwagen-Privatfahrer der 1960er und frühen 1970er Jahre. Seine Karriere begann 1954, damals fuhr er hauptsächlich Bergrennen mit Lotus-Monopostos, wechselte (mäßig erfolgreich) in die Formel 2, 1959 und 1960 startete er bei 2 Formel-1-Rennen in Silverstone.
Ab 1962 fuhr David Piper nur noch Sportwagenrennen.
Mitte der Saison 62 kaufte Piper einen Ferrari 250 GTO. Auf den GTO folgten ein 250 LM und ein 365 P2 (den kennen wir ja als CARRERA-Modell in 132, ArtNr. 30775). Der 365 P2 war die Kundenversion des 330 P2. Ferrari-Bezeichnungen sind manchmal verwirrend. Der P2 wurde später auf P2/3-Trimm umgerüstet (in der Werkstatt von Piero Drogo, dem Erbauer des Breadvans, Chef und Gründer des Karosseriebauunternehmens Carrozzeria Sports Cars), später wurde der P2/3 dann effektiv zu einem 412 P umgebaut. Der 412 P war übrigens die Kundenversion des Ferrari 330 P4 (allerdings mit 40 PS weniger und dem alten, anfälligen 4-Gang-ZF-Griebe). Kommt noch jeder mit? Gut! Weiter gehts!
Pipers grünen 412 P / 330 P4 gab es auch von CARRERA (in 124, ArtNr. 20208)
Die hellgrüne Lola wurde als Pipers primärer Rennwagen für die Saison 1969 gekauft. Hellgrün deswegen, weil das David Pipers Lieblingsfarbe war. Das BP-Sponsoring erfolgte erst später. 1969 absolvierte er auch einige Events für die Werksteams von Ferrari und Porsche und fuhr zeitweise seinen 412 P und einen Porsche 908/02.
SL76/150 ersetzte den Ferrari 250 LM, den Piper für einen Großteil des Jahres 1968 eingesetzt hatte. Bei Nicht-FIA-Veranstaltungen in dieser Saison fuhr Piper oft seinen 412 P. Bei FIA-Rennen durfte der 412 P nicht mehr starten, da die FIA mit ihrem neuen Drei-Liter-Motorlimit für Gruppe-6-Prototypen den Ferrari mit seinem 4-Liter-V12 aus der Sportwagen-Weltmeisterschaft verbannt hatte.
Die Lola hatte keine derartigen Probleme: Als 1968 die Regeln den Hubraum der Prototypen auf drei Liter begrenzten, wurde den in mindestens 50 Exemplaren gebauten Sportwagen 5 Liter Hubraum eingeräumt, ab 1969 reichte eine Mindestanzahl von 25 gebauten Fahrzeugen, um der Homologation zu entsprechen. Die LOLA qualifizierte sich so für die Klasse-4-Sport, da seit Produktionsbeginn mehr als 50 T70 gebaut wurden. Insgesamt entstanden 88 Lola T70 in allen Versionen Mk1-3b.
Piper setzte die Lola in 1969 oft ein, holte sich einige Siege (u.a. bei den Montlhery Coupes de Vitesse) und ein halbes Dutzend Podiumsplätze.
Im Mai 1969 bot sich ihm die Chance, als Werksfahrer auf einem Porsche 917 am 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring mitzufahren. Zusammen mit dem 2. Piloten Frank Gardner wurde er 8ter. Gegen Ende des Jahres kaufte er sich seinen eigenen Porsche 917 (Chassis 010). Dieser 917 sollte die Lola ab 1970 ersetzen, so dass Piper in diesem Jahr häufig andere Fahrer für sein Rennteam einsetzte:
Chris Craft, Richard Attwood und Jean-Pierre Beltoise fuhren 1970 den SL76/150. Attwood holte einige Siege in Frankreich (in Montlhery und Dijon) und Beltoise gewann das letzte Rennen als Fahrer von David-Piper-Racing in Magny Cours.
In der zweiten Hälfte des Jahres 1970 wurde Piper von Solar Productions angeworben, um Autos für den kommenden Steve McQueen-Film Le Mans zu kaufen. Einige Dreharbeiten fanden beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1970 statt. Im November kehrte die Crew für weitere Action-Aufnahmen nach Le Mans zurück. Der SL76/150 war eines von vielen Autos, die in der legändären Produktion auftauchten.
Neben der Beschaffung von Autos für Solar Productions war Piper einer von mehreren Top-Fahrern, die für die Fahrszenen an Bord gebracht wurden. Leider wurde er dabei in einen schweren Unfall verwickelt:
Am Steuer eines Porsche 917 verlor Piper bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über sein Auto im schnellen Maison Blanche-Abschnitt der Rennstrecke nahe der Stelle, an der John Woolfe im Vorjahr ums Leben gekommen war. Der 917 wurde komplett zerstört. Zum Beinbruch kam leider noch eine Infektion dazu und David Piper mußte die Hälfte seines rechten Beines amputiert werden. Er fuhr zwar weiterhin Rennen, aber mit der Top-Karriere war es vorbei.
Nach den Dreharbeiten verkaufte Solar Productions den SL76/150 an den Pariser Privatieer Pierre-Henri Archambeaud. In den Jahren 1971 und 1972 setzte Archambeaud den T70 zusammen mit seinem Porsche 911 S ein. Er holte sich unzählige Top-3-Ergebnisse bei französischen Meisterschaften, darunter einige Siege auf seinem Heimkurs in Montlhery.
Die mittlerweile grün, orange und weiss gestreifte Lola wurde am Ende der Saison 1972 ausgemustert.
Abbildung
Anschließend ging der Wagen in die Hände von Franco Sbarro (dem berühmten italienischen! Autodesigner). Diese produzierte bereits seit 1970 aus bestehenden und zugekauften Komponenten strassenzugelassene T70-Klone mit Lederinterieur und anderen Rafinessen, von 11 Fahrzeugen ist die Rede.
Sbarro verkaufte SL76/150 schlußendlich dann wieder an David Piper. Der reichte den Wagen seinerseits an Brian Redman weiter (britischer Rennfahrer, mit 54 Gesamtsiegen bei nationalen und internationalen Rennen war er einer der erfolgreichsten Sportwagenpiloten der Motorsportgeschichte).
SL76/150 verbrachte später einige Zeit in einer schwedischen Sammlung, bevor sie nach Grossbritannien zurückkehrte.
Bereits seit den 80er-Jahren wird SL76/150 im historischen Rennsport eingesetzt. Heute ist der Wagen im Besitz des Briten Shaun Lynn, der ihn ebenfalls im historischen Motorsport einsetzt.
Und zum Abschluß noch ein nettes Detail zur grünen Lola:
Am 13.07.1969 fuhr Hans Herrmann bei einem Gastauftritt im PIPER-Team die grüne Lola zum Sieg beim Solituderennen Hockenheim (hier trug der Wagen die Startnummer 20). Link zu racingsportscars
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